Wasserknappheit

Wasserknappheit - Nicht nur ein Problem des Südens

Deutschland gehört zu den wasserreichsten Ländern der Welt. Bislang. Heiße und regenarme Sommer fordern aber immer häufiger ihren Tribut. Ertragseinbußen in der Landwirtschaft, Abschaltung wassergekühlter Kraftwerke - der Weltklimarat prognostiziert auch für Deutschland eine höhere Wahrscheinlichkeit von regenarmen Zeiten und Dürren. Was ist zu tun?

Nicole Maisch MdB, verbraucherpolitische Sprecherin und Wasserexpertin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen, lud zum Fachgespräch zur Wasserverknappung ein. Conelia Behm MdB, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion, führte als Co-Moderatorin durch die Veranstaltung. Die große Zahl an Teilnehmenden unterstrich, dass Informationen und Strategien für Deutschland und Europa gefragt sind und ein breiter Austausch hierzu gewünscht ist. Einen Einblick vermittelten die Fachvorträge aus Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft.

Anforderungen und Strategien in Deutschland

Die Ausführungen von Dr. Fred Hattermann, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, legen nahe, dass wir uns auch in Deutschland auf häufigere und länger andauernde Trockenperioden einstellen müssen. Besonders betroffen ist hier der ohnehin regenärmere Osten Deutschlands. Aber auch im Westen werden im Sommer Flüsse wie Donau und Rhein weniger Wasser führen.

Aus Sicht von Nik Geiler, Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e. V., mangelt es zwar noch an echten Strategien zum Umgang mit der Wasserknappheit, jedoch beinhalten die Ansätze auf EU-Ebene einen guten Problemaufriss. Der Akzent liege auf Wasser sparen. Zudem sollen kostendeckende Wassergebühren für mehr Wassereffizienz in allen Nutzungsbereichen sorgen. Deutschland ist zwar Weltmeister im Wassersparen und mit der Technik konnten Trockenzonen der Republik bisher genutzt werden. Doch unser hoher virtueller Wasserverbrauch bleibt ein blinder Fleck in unserem Wassersparbewusstsein. Die hohe Einfuhr von wasserintensiven Erzeugnissen aus der Mittelmeerregion und anderen trockenen Gebieten macht uns zu einem Wasserimportland. Deutschland solle nicht nur dort die Einführung wassersparender Technologien unterstützen, sondern auch zu Hause den hohen Wasserbedarf in der Wirtschaft reduzieren. Für die Landwirtschaft, als ein wichtiger Wasserverbraucher, bieten sich angesichts der unberechenbaren Wetterkapriolen nur bedingt erfolgreiche Anpassungsmöglichten an.

Nach fachkundiger Meinung von Professor Dr. Gerold Rahmann, Leiter des Ökolandbau-Instituts des Johann Heinrich von Thünen Instituts, bestehe ein vielversprechender Ansatz darin, einen Blick in die Gebiete zu werfen, wo unser zukünftiges Klima bereits Realität sei und Nutzungen daran angepasst sind. Zudem sei es wichtig, auch die Wasserverschmutzung zu minimieren, um die Wasserverknappung nicht zu verschärfen.

Die Wasserversorger, vertreten durch Herrn Dr. Joachim Meier, Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, sehen für Deutschland keine weiteren Spielräume für Wassereinsparungen, zumal die öffentliche Wasserversorgung nur einen geringen Teil des gesamten Wasserverbrauchs zu verantworten habe. Allerdings werde der Klimawandel nicht ohne Folgen für die Wasserwirtschaft bleiben und die Konkurrenz mit anderen Wassernutzungen werde zunehmen. Der kommunale Ansatz biete bei der Wasserversorgung den richtigen Lösungsweg und müsse vor anderen Nutzungen Vorrang erhalten. Die Energiewirtschaft und hier insbesondere die wassergekühlten Kraftwerke sind die größten Wasserverbraucher im Land.

Herr Professor Dr. Benno Rothstein, Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg, zeigte an einem Beispiel, dass bestimmte Kühlsysteme von Kraftwerken mit hohen Effizienzverlusten einhergehen können. An Anpassungsstrategien werde in diesem Sektor gearbeitet.

Fazit

Die Diskussionsrunde regte an, dass bei der Suche nach Lösungen ein breites Spektrum an Maßnahmen zu berücksichtigen sei und auch neue Wege eingeschlagen werden sollten. Eine bessere intersektorale Zusammenarbeit sei beispielsweise genauso gefragt wie regional angepasste und dezentrale Ansätze des Wassermanagements, von Nutzungssystemen und Verdunstungsregime. Auch das virtuelle Wasser oder striktere Abwasserstandards sind bei Maßnahmen hin zu mehr Wassereffizienz zu berücksichtigen. Der Vollzug sei zudem zu verbessern, wie etwa die konsequente Anwendung der Wasserrahmenrichtlinie. Der Diskussionsprozess wird weiter gehen. Wir Grüne setzen uns dabei für nachhaltige Lösungen ein, die in die deutsche Anpassungsstrategie aufgenommen werden müssen.