Gefährliches Kinderspielzeug aus China
Die Rückrufaktionen des US-Spielzeugherstellers Mattel werfen ein düsteres Licht auf die Spielzeugbranche und das Risikomanagement der Bundesregierung.
Rund 80 Prozent des Spielzeugs auf den deutschen Märkten wird in China produziert. Anfang August nahm Mattel rund eineinhalb Millionen Spielzeuge wegen Sicherheitsmängeln vom Markt. In einer zweiten Rückrufwelle wurden noch einmal über 18 Millionen Spielzeuge wegen möglicher Gesundheitsgefahren zurückgerufen. Die Waren sind teilweise seit Jahren verkauft worden, viele Kinder spielen noch damit.
Wir fordern umfangreiche Sonderüberprüfungen durch Marktüberwachung, Zoll und Schwerpunktstaatsanwaltschaften, die Licht in das Dunkel bringen. Die Zahlen der im europäischen Schnellwarnsystem RAPEX beanstandeten Produkte sind schon seit langem alarmierend. Bund und Länder müssen endlich aktiv werden und sofort mehr Anstrengungen unternehmen, damit keine gefährlichen Produkte mehr auf den Markt kommen. Sie dürfen sich nicht länger auf freiwillige Rückrufaktionen der Hersteller verlassen.
Das Verbraucherministerium hat es bislang versäumt, unabhängige Informationen mit Hersteller- und Produktnamen zur Klärung der Situation auf seiner Internetseite einzustellen. Hier werden verunsicherte VerbraucherInnen bisher völlig allein gelassen. Die mangelhafte Amtsführung von Minister Seehofer trägt zu einem Vertrauensverlust für die Spielzeugbranche bei.
Es gehört zu den staatlichen Verbraucherschutzaufgaben für eine ausreichende Produktsicherheit und Verbraucherinformation zu sorgen. Wir werden darum in einer Anfrage an die Bundesregierung detailliert Auskunft zu diesen Vorfällen verlangen. Auch wenn Unternehmen und Behörden offenbar Hand in Hand arbeiten, gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Das bisher gefundene Spielzeug ist aus verschiedenen Gründen sehr gefährlich. Die betroffenen Figuren und Spielsets enthielten "kleine, aber starke Magneten", die von Kleinkindern verschluckt werden könnten, so der Hersteller. In drei Fällen in den USA sollen Kinder bereits operiert worden sein. Bleihaltige Farben, Weichmacher und viele giftige Stoffe, die bei uns längst verboten sind, führen zu chronischen Belastungen. Spielzeugtelefone, die bei Kindern Gehörschäden hervorrufen können, oder unsichere Schwimmhilfen, die vor dem Ertrinken nicht schützen sind weitere erschreckende Beispiele für die sich häufende Nachlässigkeit auf dem Spielzeugmarkt.
Auch andere Produkte wurden auffällig: leicht entflammbare Babykleidung, Melanin-belastetes Tierfutter, Zahnpasta mit Glykol und problematische Farbstoffe in Fruchtsäften aus chinesischer Produktion. Im RAPEX-Jahresbericht 2006 der EU-Kommission über gefährliche Produkte wurde in nahezu der Hälfte aller Fälle die Volksrepublik China als Herkunftsland der beanstandeten Erzeugnisse genannt. Dabei entfielen auf Spielwaren, Elektrogeräte und Kraftfahrzeuge über 50 Prozent aller Meldungen.




