Chronik des Dioxin-Skandals
7. Januar 2011
Das Agrarministerium in Kiel bestätigt, dass das Unternehmen Harles & Jentzsch im Rahmen einer Eigenkontrolle bereits am 19. März 2010 Dioxinwerte gemessen hat, die doppelt so hoch waren wie der gesetzliche Grenzwert. Die Messergebnisse wurden verheimlicht.
Zudem teilt das Ministerium mit, die Firma habe in verschiedenen Proben den Grenzwert für das Gift extrem überschritten. Es war bis zu knapp 78 Mal so viel Dioxin enthalten wie erlaubt.
6. Januar 2011
Inzwischen sind gut 4.700 landwirtschaftliche Betriebe gesperrt, die dioxinbelastete Futtermittel bezogen haben. Die meisten befinden sich in Niedersachsen, insgesamt sind aber 13 Bundesländer vom Skandal betroffen.
Es stellt sich heraus, dass die zu Harles & Jentzsch gehörende Spedition in Bösel, die die kontaminierten Tierfutterfette verarbeitet und verteilt hat, dazu gar nicht berechtigt gewesen war. Die Spedition hatte auf ihrem Betriebsgelände unangemeldet ein Rührwerk und Tanks unterhalten und hat so die Kontrollen umgangen.
Auch die Europäische Kommission interessiert sich für die Dioxinfunde. Es findet ein Telefonat zwischen Bundesministerin Aigner und EU-Kommissar Dalli zum Thema statt.
Der nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister Remmel (Grüne) wirft den Niedersachsen ein zu nachlässiges Umgehen mit den ersten Dioxinfunden vor. Das niedersächsische Ministerium habe das mögliche Ausmaß des Skandals absolut unterschätzt.
4. Januar 2011
Nordrhein-Westfalen veröffentlicht die Stempelnummern der beiden Legehennen-Betriebe, in deren Eiern überhöhte Dioxinwerte nachgewiesen wurden. Niedersachsen zieht einen Tag später nach.
4. Januar 2011 (15:00 Uhr)
Die Listen der Tierhalter, die von zwei Mischfutterherstellern in NRW beliefert wurden, liegen vor. Die Kreise werden unmittelbar angewiesen, die Betriebe zu sperren.
Für die Lieferung von Fettsäuren, welche an den dritten NRW-Hersteller gegangen sind, haben die zuständigen Behörden in Schleswig-Holstein am 4. Januar 2011 das Ergebnis einer Untersuchung der betreffenden Partie vorgelegt. Der Grenzwert für Dioxin wird mit 0,45 ng/kg nicht überschritten (Grenzwert in der Futtermittel-Verordnung 0,75 ng/kg). Die landwirtschaftlichen Abnehmer dieses Herstellers werden nicht gesperrt. In dem Unternehmen wird eine Fettsäuren-Probe genommen, um das Ergebnis der Eigenkontrolle abzusichern.
(16:00 Uhr): MKULNV veröffentlicht die Betriebsnummern der beiden Legehennenhalter in den Kreisen Soest und Steinfurt, in dessen Eier-Proben Überschreitungen der Grenzwerte aufgetreten sind. Verbraucher können an der Stempelnummer und dem Mindesthaltbarkeitsdatum erkennen, ob das Ei möglicherweise belastet ist, wenn es vor dem 23. Dezember 2010 verkauft wurde. Damit schafft NRW als erstes Bundesland umfassend Transparenz für den Verbraucher.
3. Januar 2011
Der Skandal um dioxinverseuchte Futtermittel breitet sich rasant aus. Insgesamt wurden zwischen dem 12.11. und dem 23.12. etwa 3.000 Tonnen des Futterfettes ausgeliefert und von 25 Mischfutterherstellern in mehreren Bundesländern zu Mischfutter verarbeitet.
Niedersachsen sperrt 1.000 Betriebe. Aber auch Höfe in Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen und Brandenburg sind betroffen. Eier von Betrieben, die belastetes Futter bezogen hatte, wurden auch in die Niederlande und von dort in Verarbeitungsprodukten nach Großbritannien geliefert.
27. Dezember 2010
Schleswig-Holstein gibt eine Schnellwarnmeldung nach Brüssel, welche am 28. Dezember 2010 in das Europäische Schnellwarnsystem eingestellt wird. Ursächlich für die Verunreinigungen waren Futterfette, welche von einem Lager der Firma Harles & Jentzsch GmbH in Bösel (Niedersachsen) ausgeliefert wurden. Unternehmenssitz der Firma ist Uetersen in Schleswig-Holstein.
23. Dezember 2010
Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit informiert erstmalig darüber, dass ein Mischfutterunternehmen in Dinklage Mischfutter hergestellt hat, dessen Gehalt den Grenzwert für Dioxin überschreitet. Das Unternehmen hat die Belastungen in einer Eigenkontrolle festgestellt.
In NRW veranlasst das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz umgehend die Sperrung von zwei Betrieben, die Futtermittel dort bezogen haben. Die Veterinärämter der Kreise Soest und Steinfurt nehmen amtliche Proben der Eier und des Hühnerfleisches. In Niedersachsen werden zunächst keine Betriebe gesperrt.




