Provisionsgesteuerte Fehlberatung beenden

Einer Studie des Verbraucherschutzministeriums zufolge verlieren Anlegerinnen und Anleger durch Falschberatung jährlich mindestens 20-30 Milliarden Euro. In Großbritannien haben Verbraucher laut britischer Finanzaufsicht FSA in den letzten 20 Jahren insgesamt 14,5 Milliarden brit. Pfund mit Finanz-produkten verloren. Geld, das z.B. für die private Altersvorsorge verloren ist. So schwierig das im einzel-nen zu messen sein dürfte – klar ist, dass es sich um eine erschreckend hohe Summe handelt, die für die Anliegen der Verbraucherinnen und Verbraucher wie Altersvorsorge oder die Absicherung von Lebens-risiken nicht zur Verfügung steht. Wir wollen den Markt konsequent an den Bedürfnissen der Verbrau-cherinnen und Verbraucher ausrichten.

Eine Ursache dafür sind Fehlanreize, die durch das Provisionssystem gesetzt werden. Verbraucherver-bände und einzelne Banken bemängeln die bei Provisionen auftretenden Interessenkonflikte, wenn pro-visionsgetriebene Verkaufs- und anlegerorientierte Beratungsgespräche vermengt werden. Gewerk-schaften kritisieren überhöhte Provisionen und krankmachende Zielvorgaben für den Verkauf, weil sie Tarifverträge unterhöhlen, in erfolgsabhängige Monatsvergütungen drängen und den Verkaufsdruck erhöhen. Die Honorarberatung soll die Regel sein, nicht die Ausnahme.
Zur Überwindung der provisionsorientierten Beratung bedarf es klarer gesetzlicher Regeln zur Förde-rung der Honorarberatung und neuer, fairer Rahmenregeln für Provisionen. Die CDU/CSU/FDP-Koalition plant bisher nur eine Regulierung des Vermittlerberufs mit Register, Haftpflicht und Mindestqualifikati-on, nicht jedoch die Neuausrichtung der Provisionspraktiken oder eine Intensivierung bzw. Förderung der Honorarberatung.

Der Gesetzgeber ist herausgefordert, das Beratungssystem verbraucherfreundlich neu zu regeln. Der Bundesrat hat bereits die Initiative ergriffen und fordert eine Offenlegungspflicht für Provisionen und Gebühren, in transparenter Form. Die Kosten sollen vor Vertragsabschluss, sowohl pro-zentual als auch im Gesamtbetrag ausgewiesen werden. Neben der Kostentransparenz sind Klarheit über das Berufsbild des Honorarberaters und die gezielte Förderung dieses Beratungsansatzes erforder-lich.

Provisionen schaffen Konflikte

Provisionen setzen falsche Anreize und erhöhen den Verkaufsdruck am Bankschalter. Kunden werden über Abhängigkeiten getäuscht und über die tatsächlichen Kosten eines Finanzproduktes im Unklaren gelassen. Provisionen stehen mittlerweile für eine Politik der kurzfristigen Gewinninteressen. Dass die Deutsche Bank für das Geschäftsjahr 2009 einen Provisionsüberschuss von 8,9 Milliarden Euro ausweist, zeigt dass diese Einnahmenquelle einen wesentlichen Anteil am Geschäftsvolumen hat.
Weil Provisionen ein einträgliches Geschäft sind, verkaufen Banken und Finanzdienstleistungsinstituti-onen ihren Kundinnen und Kunden oft unpassende Anlagen oder solche, die riskanter sind als ge-wünscht. Mit verheerenden volkswirtschaftlichen Folgen. Provisionen für den Vertrieb von Wertpapieren fallen an diversen Stellen an: Kaufgebühr, Ausgabenaufschlag bis zu 5 Prozent der Kaufsumme und Be-standsprovisionen bzw. Verwaltungsgebühren.

Anlagewillige erhalten die Informationen zwar auf Anfrage, ohne Zutun aber so gut wie nie. Oder sie müssen das Kleingedruckte durchforsten und die ungenauen Formulierungen interpretieren. Es fehlen auch vergleichbare Maßstäbe, um die Angemessenheit der Vergütungsbestandteile zu bewerten. Auch wenn Honorarberater und alternativ arbeitende Bankinstitute in den letzten Monaten Zulauf enttäusch-ter Anlegerinnen und Anleger erhalten, gibt es keine Anzeichen der Finanzbranche, dass hier einheitli-che, verbindliche Regeln und Kontrollsysteme geschaffen werden.

Hier geht es zum ganzen Fraktionsbeschluss: "Provisionsgesteuerte Fehlberatung bei privaten Finanzgeschäften beenden":