27. Juni 2011

Fachgespräch Finanzmarktwächter

Die Finanzmarktkrise ist für viele VerbraucherInnen noch nicht vorbei, denn viele von ihnen werden weiterhin mangelhaft beraten oder haben ungewollt riskante Geldanlagen erworben. Neben Einzelberatung benötigen Verbraucherinnen und Verbraucher professionelle Unterstützung, um Ihre Interessen gegenüber den Anbietern von Finanzprodukten wirksam durchsetzen zu können.

Um die Herausforderungen und Aufgaben für Finanzmarktwächter sowie verschiedene Ideen und Modelle zur Stärkung des Verbraucherschutzes auf den Finanzmärkten ging es beim Fachgespräch am 27.6.2011 im Deutschen Bundestag. Eingeladen hatten Dr. Gerhard Schick MdB, Sprecher für Finanzpolitik, und Nicole Maisch MdB, Sprecherin für Verbraucherpolitik.

Von der Initiative zur Institutionalisierung

Gerd Billen vom Bundesverband Verbraucherzentrale e. V. führte aus, dass VerbraucherInnen in Deutschland etwa 20 Milliarden Euro jährlich durch schlechte Finanzprodukte und fehlerhafte Beratung verlieren. Er forderte, die unabhängige Finanzberatung der Verbraucherzentralen zu stärken und die Finanzmarktwächterrolle zu institutionalisieren

Auch Großbritannien hat erkannt, dass Verbraucherschutz bei Finanzdienstleistungen essentiell ist und eine neue Behörde geschaffen: die „Financial Services Authority“ (FSA). Sie bündelt Kompetenzen, die vorher auf drei Institutionen verteilt waren, wie Simon Gallagher von der Britischen Botschaft erklärte. Die FSA soll auch präventiv tätig werden und zum Beispiel verhindern, dass ein bestimmtes Produkt auf den Markt kommt.

Drei Akteursebenen

Kornelia Hagen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung e. V. betonte, dass alle drei Akteure in den Blick genommen werden müssten: Anbieter, Verbraucher und Staat. Zwischen ihnen gebe es vielfältige Beziehungen; umso wichtiger sei es, dass die Unabhängigkeit zum Beispiel der Verbraucherzentralen gewahrt bleibe. Die genaue Ausgestaltung einer Finanzaufsicht müsse noch durch eine qualifizierte Marktanalyse geklärt werden.

Peter Knitsch vom Verbraucherschutzministerium in Nordrheinwestfalen ist der Meinung, dass in Deutschland keine neue Behörde geschaffen werden sollte, um den Verbraucherschutz bei Finanzdienstleitungen zu gewährleisten. Die bestehenden Verbraucherzentralen könnten dies übernehmen, müssten jedoch rechtlich und finanziell besser unterstützt werden.

Über die konkreten Aufgaben und Beratungsangebote der Verbraucherzentralen bei Finanzdienstleistungen berichtete Dr. Eckhard Benner von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e. V. So gebe es vor allem Beratungsbedarf bei der Altersvorsorge und Kreditvermittlung.

Unser Fazit

Das Fachgespräch hat gezeigt, dass die Einführung von Finanzmarktwächtern ein sinnvolles Instrument zu mehr Verbraucherschutz auf dem Finanzmarkt sein kann. Verbraucherzentralen müssen gestärkt werden und mehr rechtliche und finanzielle Kompetenzen erhalten. Außerdem wollen wir die BaFin unabhängiger machen und unter die Aufsicht des Parlaments stellen.