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    10. Oktober 2011

    Gesucht: Bahnfernverkehr auf der Strecke Dortmund – Kassel – Erfurt

    „Die Bahn muss dem Auto Konkurrenz machen.“ forderte Anton Hofreiter bei der Podiumsdiskussion am vergangenen Donnerstagabend in der Kasseler Caricatura.
    Gesucht: Bahnfernverkehr auf der Strecke Dortmund – Kassel – Erfurt

    Der grüne Bundesverkehrspolitiker ruft auf seiner seit zwei Jahren bereits laufenden Bahn Tour beständig und an vielen Orten in der Republik zu einem Umdenken auf – hin zur Schiene: „Lange Jahre hat die Deutsche Bahn den Flugverkehr als wichtigsten Wettbewerber um Kunden gesehen. Das ist schlicht falsch.“ resümiert Hofreiter, der Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag ist, vor 40 Gästen der Diskussion. Klaus Schotte vom AVN (Aktionsbündnis Verkehr Nordhessen) und Karl-Peter Naumann, Vorsitzender der Fahrgastvereinigung Pro Bahn, stimmen zu. Schotte verfolgt seit 20 Jahren den Ausbau der A44 in Nordhessen und hat im gleichen Zeitraum einen Rückbau von der Schiene und ein immer schlechteres Angebot verzeichnet.

    Der Generalbevollmächtigte der DB in Hessen Klaus Vornhusen versucht zu erläutern: „Die Bahn hat auf dieser Strecke einfach zu wenig Fahrgastpotential. Und wir sind vom Gesetzgeber angehalten, Züge auszulasten und damit Geld zu verdienen.“ Karl-Peter Naumann von Pro Bahn sieht das kritischer: „Die Bahn muss in den Konzepten umdenken und sich den örtlichen Möglichkeiten anpassen. In Niedersachsen werden Fern- und Nahverkehr besser verzahnt.“ Eine Verzahnung, die nicht zuletzt beim Fahrplan ansetzt wie Herr Dippel, Geschäftsführer vom NVV, aus dem Publikum heraus fragt: „Wer richtet sich denn im Fahrplan nach wem?“ Die Gesamtsicht fehle einfach, antwortet Hofreiter: „Die Menschen interessiert nicht, ob sie auf einer Strecke von Bahnhof zu Bahnhof 15 Minuten schneller sind, die messen die Strecke von Haustür zu Haustür. Und da verlieren sie die 15 Minuten sehr schnell wieder durch mangelhafte Anschlusszeiten im Nahverkehr.“

    Der Moderator Wolfgang Nickel, von Hause aus Ingenieur und seit vielen Jahren in der Verkehrsplanung und Verkehrswissenschaft tätig, nennt an diesem Abend noch eine weitere beeindruckende Zahl: „Im Nahverkehr von DB und ihren Wettbewerbern werden im Jahr 2,3 Milliarden Fahrgäste pro Jahr auf der Schiene befördert. Im Fernverkehr, fast ausschließlich DB, sind es lediglich 130 Millionen Fahrgäste. Die zurückgelegten Personenkilometer liegen in der Summe jedoch fast gleichauf, da im Nahverkehr durchschnittlich rund 20 km von jedem Fahrgast zurückgelegt werden, im Fernverkehr fast 300km.“ Hiermit werde die Bedeutung des Schienenfernverkehrs für den Klimaschutz deutlich. Gerade im Wettbewerb zum Auto bestehe reichlich Potential für die Schiene – insbesondere im Fernverkehr. Diese offensichtlichen Fahrgastpotentiale müsste auch die Bahn erkennen.