Ein Girokonto ist die Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe
Bundestagsrede von Nicole Maisch, Sprecherin für Verbraucherpolitk:Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,
Ein Girokonto ist Voraussetzung für die Teilnahme am Wirtschaftsleben. Personen ohne Konto sind von vielen Märkten ausgeschlossen, zahlen mehr für die gleichen Produkte und Leistungen und sind Stigmatisierung ausgesetzt. Ohne Konto fallen Menschen in einen Teufelskreis:
kein Konto-keine Wohnung-keine Wohnung kein Job-kein Job kein Konto----
Ein Girokonto ist kein Luxus, Eine Bankverbindung ist Grundvoraussetzung für Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
In Deutschland verfügen nach einer Hochrechnung der EU rund 670.000 Menschen über 21 Jahre nicht über ein Konto –
nur 8 Bundesländer haben ihre Sparkassen dazu verpflichtet ein Girokonto für jedermann einzuführen
Kosten für die öffentliche Hand: in 2007 rund 17mio Euro für Barauszahlungen von Transferleistungen
das zeigt- hier handelt es sich nicht um Einzelfälle! Hier besteht Handlungsbedarf!
In Verbraucherberatungsstellen und Schuldnerberatungen taucht das Problem weiterhin auf. Banken und Sparkassen verweigern ungeliebten Kundengruppen ein Konto auf Guthabenbasis; auf die Möglichkeit sich zu wehren wird oft nicht hingewiesen und die Verfahren dauern viel zu lange.
stellen wir uns aber doch eine konkrete Person vor:
Sabine P. 43 Jahre alt, 2 Kinder
Kindergeld per Scheck ausgezahlt zu bekommen war eine aufwändige und Prozedur, das Geld kommt dadurch in der Regel auch erst 3-4 Tage später als bei einer Überweisung
Unterhalt ihres geschiedenen Mannes kommt nicht pünktlich per Dauerauftrag, sondern er bringt es bar vorbei, wenn er daran denkt
Unkostenbeitrag für die Klassenfahrt überweist sie nicht einfach auf das Konto der Klassenlehrerin, sondern muss es persönlich in der Schule vorbei bringen, weil sie ihren 7-jährigen nicht mit 150 Euro durchs Viertel laufen lassen will. peinlich und aufwändig
Die teure Bareinzahlungsgebühr muss sie schon jeden Monat für die Mietzahlung und die Überweisungen für Strom und Gas abdrücken
Ihr Wohngeld wird dadurch gemindert, dass Ihr die Kosten für die Barauszahlung aufgedrückt werden
Die günstige Waschmaschine, die sie in einem Onlineshop gefunden hat, kann sie nicht bestellen, weil nur nach Vorkasse durch Überweisung geliefert wird.
Auch günstige Kinderklamotten gebraucht bei Ebay ersteigern- für Sabine P. unmöglich.
Von allen bezahlpflichtigen Online-Diensten sind Sabine P .und ihre Kinder ausgeschlossen. Legal Musik etwa bei i-Tunes herunterladen funktioniert nicht. Wenn sich ihr Sohn einen bestimmten Song wünscht bleibt ihr nur die Möglichkeit die gesamte CD im Laden zu kaufen. Günstige Online-Filmverleihe kann die Familie auch nicht nutzen.
Statt eines günstigen Handyvertrages oder eines Festnetzanschlusses hat Sabine W. ein Prepaidhandy, bei dem die Gesprächskosten deutlich höher sind.
Mit ihrem Arbeitgeber hat sie Glück; er zahlt ihr das Arbeitnehmernetto ihres Minijobs bar auf die Hand; viele Arbeitgeber winken ab, wenn sie die Lohntüte wieder auspacken sollen.
Das Leben ohne Konto ist teuer, eingeschränkt und viel zu oft erniedrigend- damit muss Schluss sein!
Das CDU-regierte Hamburg und die EU-Komm machen es ihnen mit ihren Initiativen vor.
Auch überschuldete und gepfändete Personen oder solche mit negativem Schufa-Eintrag brauchen ein Konto um wieder finanziell auf die Beine zu kommen.
Schaffen sie eine gesetzliche Regelung! – die jedem Bürger das Recht auf ein Konto auf Guthabenbasis - gewährleistet.







