Bundesregierung ignoriert Diabetes bei Kindern
Zum morgigen Weltdiabetes-Tag erklärt Nicole Maisch, Sprecherin für Verbraucherpolitik:Am Weltdiabetes-Tag steht die Bundesregierung mit erschreckend leeren Händen da. Bereits heute werden 1,9 Millionen übergewichtige und adipöse Kinder und Jugendliche durch ernährungsbedingte Krankheiten wie Diabetes erheblich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt und ihrer Zukunftschancen beraubt. Heute leiden 15 von 1.000 Kindern unter 21 Jahren an Diabetes Typ II, der so genannten „Altersdiabetes“, die man früher nur von über 40-jährigen kannte.
Die Bundesregierung lässt zu, dass Lebensmittelunternehmen von Säuglings- und Kleinkindernahrung immer ungesundere und unnütze sogenannte Kinderlebensmitte auf den Markt bringen. Die übermäßig stark zucker-, fett- und salzhaltigen Produkte werden aggressiv beworben und oft auch noch irreführend als gesundheitsförderlich dargestellt.
Bei der Werbung für Babymilchersatzprodukte verstoßen die Lebensmittelhersteller gegen geltendes Recht, indem sie suggerieren, dass das Füttern mit künstlicher Babymilch dem Stillen gleichwertig sei. Nachweislich erkranken gestillte Kinder weniger häufig an Übergewicht und Fettleibigkeit. Mütter werden durch diese Werbung motiviert, ihre Kinder nicht mehr zu stillen. Viele Fachleute und Verbände, u.a. die deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V., der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte und die Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung haben die Bundesregierung aufgefordert, gegen diese dreiste Werbung vorzugehen.
Die Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf und schiebt scheinheilig die Verantwortung an die Länder ab. Dies geht aus den Antworten auf von uns aktuell gestellte Fragen hervor. Diese Untätigkeit grenzt an Beihilfe zur Kindesmisshandlung.
Wir fordern die Bundesregierung auf, eine nationale Diabetsstrategie zu entwickeln. Zu den Kernelementen dieser Strategie muss eine unmissverständliche Aufklärungskampagne über die Vorteile des Stillens gehören.
- im jährlichen Überwachungsplan 2012 der Lebensmittelkontrolle den Schwerpunkt „irreführende Vergleiche mit Stillen“ zu vereinbaren (§ 11 AVV RüB).
- eine Verschärfung der Werbebeschränkungen in der EU-Richtlinie über Säuglingsanfangsnahrung und Folgenahrung aktiv zu unterstützen, die derzeit in der EU diskutiert wird.
- die Übertragung der bestehenden Verbraucherschutzregeln auf Beikost bis zum 3. Lebensjahr sicher zu stellen Wir werden die Bundesregierung auch in Zukunft immer wieder an ihre Mitverantwortung für die Gesundheit unserer Kinder erinnern.







